Ontario

Ontario

„O, du schöner Westerwald, über deine Höhen pfeift der Wind so kalt“, heißt es im Volkslied. Der Verfasser kennt diese Gegend wegen Baumpflegetätigkeiten sehr gut, weiß aber auch: Auf der Wetterseite der Stadelhofsiedlung am Harburger Bock kann es genauso ziehen, sodass im Winter oft ein eisiger Wind die notwendigen Schnittarbeiten begleitet. Einigermaßen geschützt von anderen, immergrünen Bäumen halten sich dort mehrere Obstbäume wacker, u.a. ein Apfelbaum der Sorte „Ontario“ von für diese Sorte ansehnlicher Größe. Üblicherweise wächst er nämlich eher schwächer, was ihn für Hausgärten attraktiv macht.
In verschiedenen Quellen wird die Kreuzung aus den Elternsorten „Wagenerapfel“ und „Northern Spy“ auf 1820, woanders auf 1874, datiert. Übereinstimmend ist aber der Entstehungsort: Paris in Ontario County, New York, USA. Über Frankreich gelangte die Sorte 1882 auf den europäischen Kontinent.
Der Ontario lässt sich heute noch hier und da überall im Landkreis finden. Geschützte Lagen sind wegen der nachteiligen Frostempfindlichkeit des Holzes zu empfehlen, will man nicht lieber Ontario-Reiser auf robustere Stämme veredeln. Ein Hoppinger Baum genießt z.B. vorteilhaften Schutz zwischen zwei Gebäuden.
Die Blüte ist sehr frosthart, d.h. der Ontario trägt mit seiner ohnehin hohen Fruchtbarkeit oft zuverlässiger als viele andere Apfelsorten. Im Vitamin-C-Gehalt liegt er vorne und ist mit eher geringem Zuckergehalt ein Diabetikertipp. Die lange Haltbarkeit des frischsäuerlichen Apfels ist ein weiterer Grund, warum der Ontario im Jahr 1922 neben dem Jakob Lebel und dem Rheinischen Bohnapfel zur Reichsapfelsorte ernannt wurde.
Wegen der Krebsanfälligkeit sind gut strukturierte Böden vorteilhaft.
Im Umfeld von Streuobstwiesen ist wohl mit der besten Fruchtqualität zu rechnen, weil dort selbst in ungünstigen Jahren die eine oder andere Pollenspendersorte stehen dürfte. Fehlt sie, ist trotz Bienenflugs mit schlecht ausgebildeten Kernen, Kalziummangel und faulenden Früchten am Baum zu rechnen. Diesem Naturgesetz sind laut Universität Freiburg alle Apfelsorten unterworfen. Kluger Sortenmix macht es also aus.

Steckbrief:
Baum: schwacher bis mittelstarker Wuchs; breite, kleinkugelige Krone; Ertrag mittelhoch und alternierend; frostempfindliches Holz (Stammweißanstrich!)
Blüte: mittelspät, lang, witterungsunempfindlich, äußerst forsthart, Pollenspender
Schale: grünlich gelb, Sonnenseite braun bis braunviolett verwaschen
Frucht: groß, unregelmäßige, abgeflachte Form, meist kantig
Pflückreife: Ende Oktober
Genussreife: Dezember
Haltbarkeit: Mai

Ralf Hermann Melber, 6. März 2024

Pojnik

Pojnik

Etwa eine Handvoll Pojnik-Altapfelbäume dürfte es im Donau-Ries noch geben. Einer davon steht noch an der Tiefenmühle in Heroldingen. Verjüngungsschnitte an dem alten Baum werden nur noch begrenzte Wirkung haben, sodass eine Vermehrung der Sorte zu deren Erhalt geboten ist. Der „falsche Landsberger“, wie man ihn unter Fachleuten wegen der Verwechslersorte „Landsberger Renette“ auch nennt, stammt aus Rumänien. Dort sprach man einst von der „Krone der siebenbürgischen Äpfel“. In Siebenbürgen ist der Pojnik Anfang des 19. Jahrhunderts als Kernwildling in einer Waldgegend entdeckt worden.
Die Frucht ist süßlich und abknackend, später markig. Je nach Lage kann der Verzehr ab November, spätestens Januar beginnen. Eine Haltbarkeit bis Mai ist möglich. Man spricht hinsichtlich der grünlich-gelben Frucht von einem ausgezeichneten Tafel- und Wirtschaftsapfel.
Wie kam der Baum nach Heroldingen? Denkbar ist, dass einer der Heroldinger Heimatvertriebenen aus dem Gebiet der früheren Tschechoslowakei nach dem Krieg dafür sorgte. Von ihnen ließen sich einige in Heroldingen nieder, darunter mit Hausbauten im Bereich der früheren Tiefenmühle. Nebenan in Hoppingen gab es zudem nachweislich Siebenbürger Sachsen. Auch von dort könnte ein Impuls zur Existenz des Baums an dieser Stelle geführt haben.
Hier an der Wörnitz stellt sich der Apfelbaum mit einer hochgewachsenen, ursprünglich auch breit ausladenden Krone dar. Während der jährlichen Versteigerungen fand er meist keine besondere Beachtung. Dies mag daran liegen, dass er nicht im hauptsächlichen Streuobstgebiet Heroldingens Richtung Brennhof steht.
In den letzten Jahren ist ein Maschendrahtzaun um den Stamm gelegt worden, um immer stärker sich ausbreitende Biber daran zu hindern, den historisch wertvollen Baum bald zu fällen.
Vom Wuchscharakter her dürfte sich der Pojnik auch heute noch als ein Element für prägende Streuobstlandschaften eignen. Dass die Sorte auch hier gut gerät, spricht für sie und bestätigt ihre weitgehende Anspruchslosigkeit. Die Haltbarkeit der Früchte dürfte ein günstiges Kriterium für Interessierte sein.

Steckbrief:
Baum: hochwachsend, keine besonderen Standortansprüche; am besten keine zu trockenen oder schweren Böden
Schale: gelb bis gelblich-grün
Frucht: fein, saftig, süßlich mit renettenartiger Würze
Pflückreife: ca. Oktober
Genussreife: ca. Dezember
Haltbarkeit: Mai

Ralf Hermann Melber, 4. Januar 2024

Rheinischer Bohnapfel

Rheinischer Bohnapfel

Rheinischer Bohnapfel

Als eine von drei Apfelsorten wurde der Rheinische Bohnapfel am 24. Januar 1922 durch die deutsche Obstbau-Gesellschaft zur Apfel-Reichsobstsorte ernannt. Dafür musste eine Frucht von hoher wirtschaftlicher Bedeutung sein. Kein Wunder, ist der Massenträger doch anspruchslos hinsichtlich Standort und Klima. Zudem besticht er durch seine lange Haltbarkeit und vielseitige Verwendungsmöglichkeit. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Sorte im Neuwieder Becken entdeckt und 1797 beschrieben. Gut ausgereift gehört der Bohnapfel aromatisch zu den allerbesten Verwertungsäpfeln. Nur in extremen Hochlagen reift er nicht genügend aus, was im Kreis Donau-Ries wirklich kein Problem darstellt.
Es ist unbedingt ratsam, diese Sorte bei Jungbaumpflanzungen mit zu berücksichtigen, weil sich dies in Krisenzeiten auszahlen kann. Nach dem Zweiten Weltkrieg brachte ein hoher Bohnapfelbaum am Ortsrand von Heroldingen 40 Deutsche Mark Versteigerungspreis ein, was der heutigen Kaufkraft von ungefähr 400 Euro entspricht. Mehrere Familien teilten sich einen Jahresertrag, wobei die jeweiligen Anteile sehr genau gewogen wurden, wie der letzte Bürgermeister Heroldingens noch erzählen konnte. Einige wussten gar von Bewachungsmaßnahmen, um Diebstähle abzuwehren. Während die Bürgermeister die Versteigerung durchführten, war der Dorfflur zuständig für die Obstanlagen. Besagter Baum steht zwar nicht mehr, aber er erlebte immerhin die Reichsmark, die Inflationszeit, die D-Mark und etliche Jahre des Euro. Die Währungen wechselten, es gab zwei Weltkriege, der Baum blieb bei seiner „Währung“ und diente bis zuletzt treu.
Der Große Rheinische Bohnapfel – im Schwarzwald auch „Jockerle“ genannt, ist mit seiner aufwärtswachsenden Krone gut für Viehweiden geeignet. Ältere Bäume der pflegeleichten Sorte sollten mitunter verjüngt werden, was in Heroldingen sehr gut geklappt hat. Der Baum ist auf geeignete Pollenspendersorten angewiesen. Seine Frucht entfaltet u.a. gutes Aroma beim Dörren oder in Gebäcken, eignet sich aber auch gut für Saft. Sie kann nach Säureabbau und Zunahme des geringen Zuckergehalts ab ca. Februar gegessen werden und überzeugt manchen Geschmack.

Steckbrief:
Baum: anfangs mittelstark, später stark, großvolumig und kugelig wie der Apfel selbst – kann sehr alt werden
Blüte: schlechter Pollenspender
Schale: gelbgrün, Deckfarbe braunrot marmoriert, mitunter bläulicher Unterton
Frucht: oft eiförmig mit kurzem, knopfigen Stiel, bei Genussreife saftig säuerlich, schwach gewürzt mit festem Fleisch
Pflückreife: ab Mitte Oktober
Genussreife: ca. ab Februar
Haltbarkeit: Mai bis Juni

Ralf Hermann Melber, 19. Februar 2023

Riesenboiken

Riesenboiken

Von Riesenboiken-Apfelbäumen, die deutschlandweit verbreitet sind, gibt es im Stadtgebiet Harburg einige Vorkommen. Es stehen noch Altbäume in der Kernstadt, z.B. am Rennerspitz, aber auch einige im Heroldinger Ried.
Vor 1900 kannte man die Sorte bereits an der Unteren Elbe zwischen Hamburg und Cuxhaven. Die Bäume sind landschaftsprägend. Riesenboikenäpfel haben außer der Namensähnlichkeit nichts mit dem Boikenapfel gemein. Sie sind – wie der Name schon verrät – eher groß und schmecken angenehm säuerlich. Ab Ende September können sie geerntet werden, doch sie hängen durchaus bis zum Jahresende am Baum, was die Vögel freut.
Der Wuchs der Bäume ist ausladend und gut verzweigend, weshalb gelegentliches Auslichten sinnvoll ist.
Der Ertrag ist meist nicht übermäßig, dafür ist der Ernteaufwand wegen der großen Früchte vergleichsweise gering – ob von Baum oder Boden. Die Sorte empfiehlt sich somit auch heute noch. Mit der Zeit werden die großfrüchtigen Riesenboiken während der Lagerung fettig.

Steckbrief:
Baum: robust, breit ausladend, gut verzweigend, liebt windoffene Lagen, aber keine zu schweren, nassen Böden
Schale: Grundfarbe grünlich gelb, selten leicht orange-rötlich auf der Sonnenseite
Frucht: hängen windfest, mittelgroß bis groß, frisch vom Baum saftreich und angenehm säuerlich, später mürbe und ausgewogen süß
Blüte: mittelfrüh, wenig empfindlich bei nasskaltem Wetter und Frost, schlechter Pollenspender
Pflückreife: ab Ende September
Genussreife: ca. November
Haltbarkeit: ca. Februar

Ralf Hermann Melber, 2. Juli 2023

2023 – Gartentipp 2 – Grünes im Büro

2023 – Gartentipp 2 – Grünes im Büro

Grün beruhigt und fördert Kreativität. Oft stehen deshalb auch Pflanzen in Büros und anderen Zimmern. Doch sie sind meist nicht die idealen Standorte für Pflanzen. Die Fachleute der Bayerischen Gartenakademie stellen einige Beispiele vor mit denen es trotzdem funktionieren kann.

Räume bieten oft nur sehr wenig Licht und im Winter schafft die trockene Heizungsluft zusätzlich Probleme. Viele Pflanzen leiden unter den schlechten Bedingungen. Doch manche kommen aber auch damit zurecht.

Viele Standorte für Pflanzen wenig geeignet

Pflanzen brauchen ein gewisses Maß an Licht, um Photosynthese betreiben zu können und dadurch gut zu wachsen. Was unser Auge als hell empfindet, kann für Pflanzen schon nicht mehr ausreichend sein. Lediglich spezielle Pflanzenleuchten bieten das optimale Farbspektrum. Trockene Luft und dann im Winter noch nahe an der Heizung, behagt vielen Pflanzen nicht. Schädlinge fühlen sich dafür umso wohler. Andererseits gibt es Fensterplätze in der Sonne ohne regelmäßigen Gießdienst. Im Gegenzug ist übermäßiges Gießen für Pflanzen tödlich. Zuviel an Wasser lässt die Wurzeln und somit schließlich die ganze Pflanze absterben. Kontrollieren Sie öfter Übertöpfe und Untersetzer.

Grüner Dschungel im Büro

Grün ist die Farbe des Wachstums und des Lebens, kraftvoll, anregend und lebendig, aber auch beruhigend und harmonisierend. Pflanzen bieten diese Farbe und in einem begrünten Büro können Ideen wachsen. Da wo es keine optimalen Lebensbedingungen gibt, weicht man auf robuste Pflanzen aus.

Zu den Pflanzen, die wenig Licht benötigen gehören Kolbenfaden (Aglaonema commutatum) und die Schusterpalme (Aspidistra elatior), ebenso Gummibaum (Ficus elastica), Geigenfeige (Ficus lyrata) und Bogenhanf (Sansevieria). Rankpflanzen wie Efeutute (Epipremnum aureum), gefleckte Efeutute (Scindapsus pictus) und kletternder Philodendron (Philodendron scandens) schaffen mit ihren Lianen sogar eine fast tropische Atmosphäre. Sie können auch als hängende Pflanzen fungieren. Wer etwas höhere Pflanzen für eine düsterere Ecke braucht, findet unter den Drachenbäumen (Dracaena fragransD. deremensis) robuste Exemplare.

Bedingt durch die fleischigen Blätter oder Pflanzenteilen, die auch Wasser speichern können, kommen Bogenhanf, Kakteen und Christusdorn (Euphorbia milii), Elefantenfuß (Beaucarnea)und sogar Phalaenopsis-Orchideen gut mit Büroluft zurecht. Und sie vertragen auch mal eine Zeit ohne Gießwasser.

Ganz robust ist die Grünlilie (Chlorophytum comosum). Sie gewöhnt sich an fast alles. Zwar wächst sie nur bei guten Bedingungen stark. Jedoch überlebt sie auch bei geringem Licht und wenig Wassergaben.

Ein begrüntes Büro wirkt lebendig. Mit der richtigen Pflanzenauswahl entsteht auch dort eine kleine Wohlfühl-Oase.

 

(Bilder:  Verschiedene Autoren © Bayerische Gartenakademie an der LWG Veitshöchheim)

Wenn Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich an das Gartentelefon (0931/9801-3333) oder schreiben Sie eine E-Mail an bay.gartenakademie@lwg.bayern.de

Bilder und Text: © Bayerische Gartenakademie an der LWG Veitshöchheim, mit freundlicher Genehmigung