Rebschnitt im winterlichen Garten

5. Feb. 2026

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Vielerorts liegen die Gärten noch tief verschneit. Doch die Tage werden länger und der Winter zieht sich langsam zurück. Tafeltraubenbesitzer träumen schon von süßen und saftigen Trauben, die in einigen Monaten an den kräftigen und grünen Trieben hängen. Voraussetzung ist neben einer robusten Sorte vor allem der jährliche starke Schnitt im Winter. Die Fachleute der Bayerischen Gartenakademie geben Tipps.

In den Weinbergen werden die letzten Rebstöcke geschnitten. Im Garten ist es noch nicht zu spät für den Schnitt, der die Vitalität der Pflanze erhält. Dann haben wir lange Freude an ihr.

So wächst der Rebstock

Der Weinstock möchte möglichst schnell lange Triebe bilden. Am höchsten stehende Triebe und Knospen werden bevorzugt versorgt und sind daher besonders stark. Das würde bedeuten, dass beispielsweise bei einer fünf Meter hochwachsenden Weinrebe nur im oberen Bereich kräftige Triebe mit großen Früchten entstehen – im unteren Teil des Stockes hingegen nur kümmerliche Trauben. Deshalb benötigt der Weinstock einen jährlichen Schnitt, auch schon junge Pflanzen. Ein rechtzeitiger und maßvoller Stockaufbau erleichtert künftige Schnitt- und weitere Pflegemaßnahmen.

Einjährigen Fruchtruten, die im letzten Vegetationsjahr gewachsen sind, besitzen eine hellbraune Farbe. Sie haben eine normale Länge von etwa 1,20 Metern und weisen idealerweise eine Stärke mit einem Durchmesser von sechs bis zehn Millimetern auf (ähnlich einer Kugelschreiberdicke). Optimales Holz ist gleichmäßig durchgefärbt, knistert etwas beim Biegen und beim Anschneiden wird eine kleine Markröhre sichtbar. Betrachtet man dieses einjährige Holz, die Fruchtruten, genauer, sind im Abstand von etwa zehn Zentimetern die Knospen, die sog. Augen zu erkennen. In ihnen sind die Blüten bereits unsichtbar angelegt und somit der Ertrag des nächsten Spätsommers und Herbstes.

Erfolgreicher Ertrag durch Schnitt

Der Rebschnitt ist die erste Tätigkeit eines Tafeltraubenbesitzers im neuen Jahr. Hier werden die Weichen für eine erfolgreiche Ernte gelegt. Er fördert und reguliert die Fruchtbarkeit des Rebstockes.
Einer Legende nach bissen ein Esel oder eine Ziege über Winter die einjährigen holzigen Triebe fast komplett ab. Aus den übrig gebliebenen kurzen Stummeln entwickelten sich schließlich kräftige Triebe mit großen Früchten. Der Rebschnitt war erfunden und ist die Voraussetzung für eine gute Ernte in bester Qualität.

Grundsätzlich werden jährlich im Winter über 90 Prozent des einjährigen Holzes mit den vorhandenen Augen weggeschnitten. Der Schnitt mit der Schere bedeutet einen großen Eingriff für die Pflanze, die sich jedes Jahr wieder neu aufbauen muss. Doch so bleibt sie vital und wüchsig. Zudem wird ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Wachstum und Fruchtbarkeit gefördert. Vor dem Schnitt, meist ab Ende Januar bis spätestens März, betrachtet man seinen Rebstock genau. Hausrebstöcke sind meist als Spalier mit einem langen oder zwei kürzeren Seitenästen als sog. Kordon gezogen. Die aus den Seitenästen nach oben gewachsenen Ruten werden auf Zapfen mit ein bis zwei Knospen zurückgeschnitten. Aus den verbleibenden Augen wachsen ein bis zwei kräftige Fruchttriebe. Entstehen zwei, dann wird der Schwächere der beiden bereits bei einer Trieblänge von acht bis zwölf Zentimeter weggebrochen. Diese Fruchtruten entwickeln dann meist zwei große Fruchttrauben. Um zu gewährleisten, dass die Ruten und Früchte später genug Licht, Luft, Sonne und Wärme bekommen, sollte der Abstand zwischen den Zapfen auf einem Kordonarm etwa 20 Zentimeter betragen, was etwa der Länge einer Rebschere entspricht.

Setzt der Saftstrom ein, kann es sein, dass die Rebe an der Schnittstelle kurz „blutet“. Doch keine Panik, es schadet den Stöcken in der Regel nicht. Vorhandene Pilzsporen könnten sogar weggespült werden. An Neumond „blutet“ die Pflanze wohl weniger als an Tagen um Vollmond. Schneiden Sie, wie auch bei anderen Gehölzen, nicht bei Temperaturen unter minus fünf Grad Celsius.

Keine Angst vor einem intensiven Rebschnitt, seien Sie nicht zu zaghaft. Es liegt in der Natur der Pflanze wieder auszutreiben und kräftig zu wachsen. Selbst ein alter, über Jahre ungeschnittener Rebstock kann durch einen starken Rückschnitt wieder vital und fruchtbar werden. Einzig wirklicher Fehler ist es, den Stock unterhalb der Veredlungsstelle zu schneiden.

Die abgeschnittenen Ruten lassen sich gut als Dekorationsmaterial verwenden. Lange biegsame Triebe eignen sich für das Binden von (größeren) Kränzen, kurz geschnittene Triebe in einem Gefäß geben Stütze und Halt für einzelne Tulpen oder andere Blüten.

Weiteres Wissenswertes zum Rebstock

Weitere Informationen zu Tafeltrauben finden Sie in den Infoschriften der Bayerischen Gartenakademie. Hier erfahren Sie alles zur Pflanzung und Pflege.

PIWI-Tafeltrauben am Haus und im Garten

Detailauschnitt einer Rute beim Rebstock

 
Rückschnitt einer Tragrute auf einen kurzen Stummel

 
Hellgrüne Trauben hängen am Rebstock.

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