
Die Nutzgärten haben sich verändert. Während früher die Selbstversorgung mit bewährtem Gemüse im Vordergrund stand, findet man nun vermehrt Exotisches und Außergewöhnliches. Gründe dafür sind häufig die Lust am Ausprobieren, aber auch der Klimawandel, wissen die Fachleute der Bayerischen Gartenakademie.
Im Schaugarten der Bayerischen Gartenakademie sowie im Gemüse-Versuchsbetrieb Bamberg der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau wird der Anbau verschiedener Gemüsekulturen erprobt.
Bewährt und wieder entdeckt
Wer kennt sie nicht, die Rote Bete. Doch das Knollengemüse gibt es auch in gelb, weiß und geringelt. Im Beet zeigt sich der farbliche Unterschied kaum, jedoch bei Verarbeitung und Verzehr. Weiße und gelbe Bete schmecken etwas milder. Leider „verwaschen“ die Ringel.
Ein weiteres bewährtes Wurzelgemüse ist die Möhre. Weniger bekannt sind jedoch violette oder gelbe und weiße Sorten so wie Sorten mit runden oder kurzen, stumpfen Rüben.
Vielfalt gibt es auch bei Bohnen: Buschbohnen, Stangen- und Feuerbohnen mit den Hülsenfarben grün, gelb oder blau, einfarbig oder geflammt. Mal sind diese breit und flach oder fleischig-rund. Selbst die Blüte bietet farbliche Unterschiede. Wer Bohnen nicht zum Frischverzehr (vorher Kochen!) verwendet, sondern als Trockenbohne, wird eine noch größere Vielfalt an Bohnensorten finden.
Tomaten bereichern die Gärten schon seit einigen Jahrzehnten. Während lange Zeit auf Ertrag gesetzt wurde, erleben „alte“ Sorten mit besonderen Farben und Formen eine Renaissance. Im Schaugarten werden in diesem Jahr bevorzugt samenechte Tomaten angebaut. Stets liebt der Fokus auch auf der Widerstandsfähigkeit gegenüber der Kraut- und Braunfäule, die sich bei feuchter Witterung stark ausbreitet.
Mit dem Klimawandel ziehen andere Gemüsearten ein
Warme Sommer begünstigen den Anbau wärmeliebender Gemüse. So sind Chili und Paprika in den Gärten keine Seltenheit mehr. Vor allem, da Chilipflanzen auch weniger Wasser benötigen. Die Sortenvielfalt ist gewaltig. Da es auch milde Chilis gibt, werden sie je nach Vorliebe in Beet und in Töpfen angebaut. Blockpaprika benötigen recht lange bis zur Ernte und der Ertrag ist oft nicht zufriedenstellend. Anders sieht es bei den immer beliebter werdenden Snackpaprika aus. Sie bilden den ganzen Sommer über kleine fruchtig-süß schmeckende Paprikafrüchte.
Besonders wärmeliebend ist die Schlangenbohne oder Spaghettibohne mit bis zu 50 cm langen Hülsen. Diese bis drei Meter hochwachsende Pflanze ist das erste Mal im Schaugarten zu sehen. Eine weitere Kuriosität ist die Litschi-Tomate. Die Verwandtschaft zu Nachtschattengewächsen erkennt man den hellblauen bis weißen Blüten, aus denen sich rote Früchte entwickeln. Die Litschi-Tomate ist sehr wehrhaft, denn sie ist über und über mit Stacheln besetzt.
Der Anbau von (Wasser-)Melonen wird durch den Klimawandel begünstigt, da warme Temperaturen während der Wachstumszeit den Anbau auch im Freien überhaupt ermöglichen.